Dienstleistungen tauschen

Dass Dienstleistungen Geld kosten und oftmals teuer sind, wissen sowohl der Hauseigentümer als auch sein Mieter. Zu den typischen Dienstleistern gehören die Handwerker. Sie erbringen eine Leistung, die der Auftraggeber mangels Knowhow oder nicht vorhandener Geräte selbst nicht leisten kann. Diese Dienste werden in der Regel in Mannstunden oder in Einheiten berechnet. Hinzu kommen eine Fahrtkostenpauschale sowie die gesetzliche Mehrwertsteuer. Ob Elektriker, Installateur, ob die Bügelhilfe oder die Babysitterin im Haushalt; immer handelt es sich um Dienstleistungen gegen Geld.

Wer Geld sparen möchte oder muss, der sollte sich an einem Dienstleistungstausch beteiligen. Angebot und Nachfrage werden, vergleichbar mit einem Marktplatz, in einem Pool gesammelt und können dort bedarfsweise abgerufen werden. Das ist denkbar einfach. Solche Dienstleistungsbörsen sind im Internet zu finden, sie werden aber auch auf örtlicher Ebene geführt.

Der Dienstleistungstausch ist ein ehrenamtliches Engagement. In Städten und Gemeinden wird er vielfach von Mehrgenerationenhäusern angeboten. Seniorinnen und Senioren bieten einerseits ihre Leistungen an und suchen andererseits Hilfe für eine Dienstleistung, die sie selbst nicht bewältigen können. Die Seniorin sucht einen Dienstleister zum Fenster putzen, oder um den Garten winterfest zu machen. Sie bietet umgekehrt ihre Backkünste an, damit auf dem Winterfest im Kindergarten oder in der Kirchengemeinde ausreichend Kuchen angeboten werden kann. Dienstleistungen tauschen ist sowohl direkt, also zwischen zwei Personen, als auch unter mehreren Anbietern und Nachfragern möglich. Im Grunde genommen handelt es sich dabei um eine erweiterte Nachbarschaftshilfe, um eine Hilfe zur Selbsthilfe. Was der eine nicht kann, das kann der andere. Entscheidend ist, dass beide zueinander finden und voneinander wissen. Hier geht es in keiner Weise um eine Bewertung, sondern ausschließlich um die Ausführung eines Dienstleistungstausches.

Angebote im Internet, die sich in erster Linie auf ein Dienstleistung tauschen in Großstädten und Ballungsgebieten beziehen, gehen einen Schritt weiter. Auch hier fließt kein Geld; die erbrachte Dienstleistung wird jedoch in Punkten bewertet. Eine Zeitstunde wird zum Beispiel mit zehn oder fünfzehn Punkten angesetzt. Jeder, der sich an dem Dienstleistungstausch beteiligen möchte, registriert sich auf der Website und eröffnet ein Punktekonto. Anschließend kann er mit Angebot und Nachfrage am Dienstleistungstausch teilnehmen. Eine Punktezahl für die jeweilige Dienstleistung wird vom Websitebetreiber festgelegt, sie kann aber auch im Einzelfall zwischen den beiden Beteiligten vereinbart werden. Wie bei einem neu eröffneten Girokonto beträgt der Startsaldo null Punkte. Vergleichbar mit einem Dispo-Kredit kann bis zu einem vom Websiteanbieter vorgegebenen Limit mit Sollpunkten gearbeitet werden. Ziel ist jedoch ein dauerhaft ausgeglichenes Punktekonto. Pluspunkte zeigen, dass der Kontoinhaber im Rahmen des Dienstleistungstausches mehr geleistet als in Anspruch genommen hat. Das Tauschspektrum ist facettenreich; es reicht von A wie Anstreichen über Beratung, Haus & Garten, Hobby & Tiere, Kinder, Reparaturen oder Sprachen bis hin zu V für Verleihen. Jeder Mensch hat innerhalb seines persönlichen Leistungsvermögens Schwer- und Schwachpunkte. Das Können eines jeden wird beim Dienstleistung tauschen optimal genutzt, ohne dass den Beteiligten dadurch Dienstleistungskosten entstehen. Geben und Nehmen ist die Devise. Das Kennenlernen anderer Menschen und die dazugehörige Kommunikation im Alltag ist besonders für Senioren ein damit verbundener angenehmer Nebeneffekt. Der Handwerker in Rente hat seinen jahrzehntelang ausgeübten Beruf keineswegs verlernt. Umgekehrt benötigt er Hilfe bei seiner Jahressteuererklärung mit den Einkünften Rente sowie mit Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung. „Hier erarbeitet“ er sich Punkte, mit denen er „dort bezahlt“.

Dienstleistung tauschen ist im weiteren Sinne ein Teilbereich der sogenannten Schattenwirtschaft. Das ist legal und gewünscht bis hin zu notwendig, sofern es sich dabei um eine Nachbarschaftshilfe sowie um eine ehrenamtliche Tätigkeit handelt. Nicht zu verwechseln oder gleichzusetzen ist der Dienstleistungstausch mit Schwarzarbeit oder mit einem Leistungsmissbrauch. Wer Geld sparen muss, der ist ganz zwangsläufig auf die Hilfe anderer angewiesen. Mit einem Dienstleistung tauschen ist im wahrsten Sinne des Wortes allen Betroffenen geholfen.