Kleidung selber nähen/umändern/reparieren

Den vermeintlich altmodischen Dingen hat die Menschheit längst den Rücken gekehrt. Im Zeitalter des Smartphones und der Tablet-Computer bestellt man sich lieber neue Socken, statt die alten zu stopfen. Tonnenweise getragene, aber noch brauchbare Kleidung wird entsorgt, um Platz für neue Käufe zu machen. Trotzdem ist die Lage nicht ganz hoffnungslos. Denn wenn man genau hinsieht, ist es nicht ganz aus der Mode gekommen, Kleidung selber zu nähen, umzuändern oder zu reparieren. Darin sind auch die Männer zunehmend versiert.

Reparatur, Recycling und Upcycling

Eltern von Kindern sparen viel Geld, indem sie gebrauchte Kinderkleidung kaufen, Pullover und Wollsocken selbst stricken oder einiges auf der Nähmaschine selbst nähen. Manche Hersteller nehmen bereits getragene Kleidung zur Wiederverwertung zurück. Unter jungen Erwachsenen hat das „Upcycling“ einen hohen Stellenwert erhalten. Alte Jeans werden mit Brokatstoffen, selbst gestalteten Drucken, Stickapplikationen, Seiden- oder Spitzenstoffen optisch aufgewertet. Man trägt anschließend ein künstlerisches Unikat statt einer verschlissenen Uralt-Jeans. Wer solche Unikate im Designerstore kauft, zahlt dafür schon mal mehrere hundert Euro. Künstlerisch begabte Naturen verkaufen ihre Eigenkreationen erst an Freunde und machen dann selbst einen kleinen Designerladen auf. Kreative Menschen beider Geschlechter können eine Menge Geld sparen, wenn sie ein Geschick dafür entwickeln, ihre Garderobe selbst aufzupeppen. Oftmals braucht es nur eine Nähmaschine bzw. Nadel und Faden, um

– einen Saum auszulassen
– einen neuen Reißverschluss einzunähen
– langweilige Knöpfe gegen edle auszutauschen
– eine blaue Jeanstasche gegen eine bunte zu ersetzen
– einen Abnäher anzufertigen
– oder eine Jeanshose zu einem individuellen Modeaccessoire zu machen.

Nicht jeder trägt gerne die Mode, die alle anderen auch anziehen. Gegen die Austauschbarkeit moderner Streetwear ist ebenso ein Kraut gewachsen wie gegen die hohen Ausgaben, die man regelmäßig in Mode investiert. Mancher personalisiert seine Kleidung und macht sie individueller.

Selbst ist die Frau. Und der Mann ebenfalls

„Unkaputtbare“ Fleece- und Outdoorjacken, die man sich übergesehen hat, könnten durch Aufnäher oder andersfarbige Reißverschlüsse wieder attraktiv gemacht werden. So landen sie nicht auf dem Müllberg oder im Kleidercontainer. Die Reparatur von Kleidung mag manchem altmodisch vorkommen. Aber: Sie ist finanziell lohnenswert. Zudem könnte man die Reparatur gleich nutzen, um das Kleidungsstück modisch aufzufrischen. Wer sein eigener Designer wird, kann sich als Individualist zeigen und nebenbei auch noch viel Geld sparen. Außerdem betreibt jeder so Ressourcenschonung, Recycling und Umweltschutz. Wie man Kleidung selbst näht, umändert oder repariert, kann man lernen. Ausrangierte Kleidungsstücke können gesammelt, in Einzelteile zerlegt und fantasievoll neu kombiniert werden. Zusätzlich können Stoffreste, Lederflicken oder Stoffbahnen aus dem Handel genutzt werden, um Altes zu Neuem zu machen. Was angesagte Upcycling-Modelabel wie „ReClothings“, „Feuerwear“, „Good One“, „Aluc“ oder „Globe Hope“ können, können kreative Menschen schon lange. Statt alljährlich viel Geld für die brandneue Mode auszugeben, könnte man diese einfach selbst entwerfen. Gute Tipps kann jeder Interessierte aus Büchern wie „Mach Neu aus Alt – Kleidung und Accessoires“ von Henrietta Thompson oder Onlineblogs wie „StyleNotes“ erhalten. Auch bei YouTube können kreative Geister sich über „Upcycling Fashion“ informieren. Bei „ThriftDrifter“ können Upcycling-Interessierte im Schritt-für-Schritt-Verfahren nachvollziehen, wie aus Second-Hand-Schnäppchen tolle Mode werden kann.