Staatliche/karitative Hilfen in Anspruch nehmen

Staatliche und/oder karitative Hilfe in Anspruch zu nehmen ist keine Schande. Im Gegenteil. Es hilft der Allgemeinheit. Die in unserer Leistungsgesellschaft weitverbreitete Meinung, dass nur der- oder diejenige ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft ist, der sich etabliert und seine oder ihre Wertigkeit durch entsprechende Statussymbole präsentiert, vergisst gerne dabei, dass dies nicht für jeden möglich ist. Nicht umsonst wurde in der deutschen Verfassung die soziale und nicht die freie Marktwirtschaft festgeschrieben und das mit gutem Grund. Ein unterschiedliches Bildungsniveau, verschiedene Familienverhältnisse und nicht zuletzt die individuelle Charaktere führen zu verschiedenen Lebenswegen, die ihre Höhen und ihre Tiefen besitzen. Um den Menschen an den Tiefpunkten zu helfen und sie nicht noch weiter sinken zu lassen und sie damit letztlich für die Gesellschaft zu verlieren, dafür sind staatliche und karitative Hilfen da.

„Was geht mich das an?“

Diese Frage wird oft gestellt und beantwortet sich eigentlich von selbst. Menschen, die unterstützt werden, versuchen nicht ihren Lebensunterhalt durch Kriminalität zu bestreiten und wer kann von sich ernsthaft behaupten, gegen alle Wechselfälle des Lebens gewappnet zu sein und nicht selbst einmal in die Situation zu kommen, die Hilfe in Anspruch zu nehmen, die der Staat und karitative Einrichtungen anbieten.

Staatliche und kommunale Hilfe

Der Staat beziehungsweise die Kommunen stellen bedürftigen Menschen die sogenannte Hilfe zum Lebensunterhalt zur Verfügung. Um diese staatliche Hilfe in Anspruch nehmen zu können, sind verschiedene Voraussetzungen zu erfüllen. So etwa bei voller Erwerbsminderung und fehlendem Anspruch auf Arbeitslosengeld oder Kinder unter 15 Jahren in Haushalten, die wiederum über die Grundsicherung finanziert werden. Aktuell beträgt der Regelbedarf für eine alleinlebende Person 391 Euro pro Monat. Diese Beträge sind in weitere Regelbedarfsstufen eingeteilt.

Das Wohngeld ist eine weitere staatliche Hilfe für Menschen, die durch ein geringes Einkommen nicht in der Lage sind, die Mietkosten oder die Kosten bei selbst genutzten Wohneigentum zu tragen. Die Gewährung von Wohngeld ist im gleichnamigen Gesetz geregelt. Das Wohngeld kann auch von alleinlebenden Studenten, Schülern oder Auszubildenden in Anspruch genommen werden, wenn diese nicht BAföG-berechtigt sind und ein entsprechend niedriges Einkommen nachweisen.

Der oft verwendete Begriff Sozialhilfe umschließt ein ganzes Paket verschiedener Leistungen überwiegend auf kommunaler Ebene. Dazu gehört die bereits erwähnte Hilfe zum Lebensunterhalt. Im weiteren zählen zur Sozialhilfe die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, Hilfen zur Gesundheit, Eingliederungshilfen für behinderte Menschen, Pflegehilfe, die Hilfe zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten sowie Hilfen in anderen Lebenslagen.

Karitative Hilfen

Karitas, abgeleitet aus dem lateinischen „Caritas“, bedeutet übersetzt etwa Hochachtung, hingebende Liebe oder uneigennütziges Wohlwollen. Ihre Ursprünge hatten die bestehenden karitativen Einrichtungen in den verschiedenen Kirchen, basierend auf der Diakonie, dem Dienst am Menschen im kirchlichen Rahmen. Kirchliche Hilfswerke unterhalten verschiedene soziale Einrichtungen, die meist in den kommunalen Sozialhilfeverbund eingegliedert oder in Kooperation mit den Kommunen stehen. Darüber hinaus organisieren einzelne Kirchenhäuser beziehungsweise deren Pfarrer oder Ordensbrüder direkte Hilfen für Menschen vor Ort in Form von Sachspenden oder Lebensmitteln.

Zu den konfessionslosen Organisationen gehören das Rote Kreuz, der Paritätische Wohlfahrtsverband und die Arbeiterwohlfahrt.

In diesen Bereich fällt auch die Tafel, eine gemeinnützige Organisation, die nicht mehr zum Verkauf geeignete, aber absolut vollwertige Lebensmittel an Bedürftige weiter gibt. In Deutschland bestehen über 3000 Ausgabestellen für Menschen, die damit die Kosten für den Lebensunterhalt deutlich reduzieren können.